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Auszug
aus der Mo-03/96
Feinabstimmung Der Jako-Ducati 900 SS Racer ist ein Paradebeispiel für Evolution in kleinen Schritten - mit durchschlagendem Erfolg. Ducati und Rennsport: Das gehört nicht erst seit den glorreichen Superbike WM-Erfolgen der Herren Roche, Polen und Fogarty untrennbar zusammen. Deshalb sind auch bei keiner anderen Marke prozentual so viele Händler renninfiziert; sei es, daß sie selben gern flotte Runden drehen oder aber als Sponsor segensreich wirken. Von solcherlei Engagement profitiert die tuningbegeisterte Kundschaft - vor allem, wenn die Sache mit dermaßen Akribie betrieben wird wie im Falle Jörg Jakobeit.
Der 50jährige Ducati-Händler aus dem Weserbergland hat über 20 Jahre Rennerfahrung auf dem Buckel und ist im deutschen BoT-Cup und bei Club-Rennen in ganz Europa erfolgreich präsent. Als Einsatzgerät für ihn dient eine 900 SS, wobei neben standfester Mechanik vor allem auf Wartungsfreundlichkeit und ein fein austarierten Einlaßtrakt geachtet wird. Orientieren sich die jakobeitschen Maßnahmen im Motorgehäuse noch an gängiger Rezeptur (erleichterte Kurbelwelle, Alu-Kupplungskorb und Nabe mit Barnett-Scheibensatz, 888-Racinggetriebe), besteht er bei den Carrillo-Pleuel auf die Ausführung mit Schmierbohrung für den 20 Millimeter dicken Kolbenbolzen und verbaut nach eigenen Vorgaben gefertigte Dreiring-Slipperkolben von Mahle. Auf dem Prüfstand haben wir schon alle möglichen Nockenwellen durchprobiert, aber die Serienteile erwiesen sich bislang im Leistungsverlauf am besten", so der Tuner, auch Doppelzündung hat nichts gebracht."
In den bearbeiteten Köpfen mit größeren Ventilen sitzt der eigens entwickelte Kipphebel-Exzenterkit für schnellere und genauere Spieleinstellung. Das Schmieröl kommt jetzt nicht wie bei der Serie aufgeheizt durch den Zylinder im Kopf an, sondern direkt vom größeren Ölkühler. Nicht nur die Erfahrung, daß mir mal ein mit offenen Trichtern bestücktes Motorrad wegen übergelaufener Vergaser abgebrannt ist", sondern auch bestehendes OMK-Reglement führte zum Bau einer in zahlreichen Versuchen ausgetüftelten Airbox aus Carbonfaser.
Einen Windkanal, der Anblasbedingungen wie bei TopSpeed simulieren kann, hat kaum einer zu Hause stehen, also mußte sich auch Jako" mit theoretischen Überlegungen durchknobeln. Er achtete penibel darauf, daß der bei den Prüfstandsläufen gemessene Unterdruck in der Box möglichst gering blieb, so sollte sich logischerweise bei gesteigerter Anströmung Überdruck aufbauen. Bei den ersten Fahrtests gab's anfangs noch Probleme mit der Abmagerung des Gemisches bei Vollgasfahrt, die Schwimmerkammern saugten sich leer, und die Spritzufuhr kam ins Stocken. Eine elektrische Benzinpumpe von der Kawasaki ZXR 400 sorgte für Abhilfe. Auch beim Fahrwerk zeigte sich, daß gezielte kleine Änderungen oftmals mehr bringen als die Hau-Ruck-Methode. Die Serien-Gabel wurde beibehalten, nach diversen Experimenten mit anderen Gabelfedern kam man wieder zum Original zurück. Die Schwinge stammt von der 900 Superlight, sie hat etwas dickere Oberzug-Profile. Zu Beginn der Rennsaison litt der Hinterreifen unter starkem Verschleiß, selbst radikales Verstellen an den Federelementen, der Einbau einer voluminösen Kämna-Schwinge und Rahmenversteifungsstreben horizontal über dem Motorgehäuse brachten nichts Entscheidendes. Zum Durchbruch in Sachen Fahrwerk verhalfen erst die Experten von Öhlins-Importeur Zupin. Dank penibler Feinabstimmung des Federbeins wurden zum Schluß eines Renntrainings in Mugello die Rundenzeiten um vier Sekunden gegenüber dem Beginn nach unten gedrückt. Das sind Welten. Moral von der Geschicht': Bei feinem Rennteil nützt der Holzhammer nicht! Auf dem Prüfstand läuft schon die neue Ausführung. 888-Fahrwerk und neuer Motor haben erste Versuche erfolgreich überstanden. Angestrebtes Ziel sind 130 Kilogramm Trockengewicht und 110 PS Leistung, deutsche und holländische BoT-Läufe sowie BEARS-Rennen sollen damit bestritten werden. Technische
Daten
Daß
er wegen seiner langjährigen Rennaktivitäten mit der Ducati
900 SS in der Szene als Experte für Zweiventil-Ducatis gehandelt
wird, behagt dem 51-jährigen Motorradspezialisten aus Hessisch
Oldendorf nicht sonderlich. �Wir machen hier das komplette Ducati-Programm.
Spezielle Vor lieben gibt es an sich nicht. Eine Königswelle verirrt
sich mittlerweile ohnehin nur noch selten in die Werkstatt." Vollausstattung
Jörg Jakobeit gehört zu jener Spezies
Motorradhändler, die sich mit ihrem eigenen Anspruch an Service
und Handwerk die hohe Meßlatte noch selbst legen. Ein Rundgang
durch die Werkstatt sagt mehr als tausend Worte. Hier stehen Gerätschaften,
Meßvorrichtungen und Werkzeugmaschinen, von denen die meisten
Motorradhändler dieser Republik allenfalls gehört, aber noch
nie damit gearbeitet haben. In Zeiten des großen Bauteileaustauschens
ist das auch nicht notwendig.
Ein
Job für den Techniklaien wird der Ducati-Service damit zwar nicht,
aber der fortgeschrittene Desmo-Hobbyist dürfte mit der schnellen
Ventiltechnik durchaus klar kommen. Für die Vierventil-Motoren
kostet der umfangreiche Umrüstkit mit etlichen, speziell angefertigten,
hochpräzisen und vergüteten Stahlteilen lediglich 1590 Mark.
Infos unter Telefon (05152) 8330, www.jako-motorsport.de. Als
seriöser Tuner verfügt Jakobeit selbstverständlich über
einen hauseigenen Prüfstand. Den Amerschläger P4 hat er zudem
mit einer Lamdamessung gekoppelt. So läßt sich auf dem Prüfstand
die Motorabstimmung exakt analysieren. Für erfolgreiches Verfeinern
der Eprom-Chips eine unabdingbare Grundvoraussetzung. Handel und Wandel Die sprichwörtlich gute, fast schon überperfekt ausgestattete Motorradwerkstatt im traditionellen Sinne ist es denn auch, die den besonderen Reiz von Jako-Motorsport ausmacht. Als Ducati-Händler gehört Jakobeit zur Organisation von Ronald März. Daß im Handel mit Neumaschinen mehr und mehr die Margen zurückgeschraubt werden, sieht der Uberzeugungstäter mit Sorge."Irgendwo muß doch noch Luft für uns Händler drin sein", blickt er skeptisch in die Zukunft. Mit seinen umfangreichen Serviceleistungen und dem einzigartigen Angebot in Sachen Ducati-Ventiltriebtechnik hat der rührige Händler auf jeden Fall die Kundschaft auf seiner Seite.
So stellt man sich den Laden eines Motorradexperten vor.
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